Zurück in die Zukunft – Verkehrsvoraussage mit Hilfe von Big Data

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Mobilität
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Jeder trägt sein Smartphone mit sich herum. Jeder ist immer online. GPS-Daten werden ständig übermittelt. Aber was passiert mit diesen Daten? Erkennen, dass aktuell irgendwo Stau ist – kann das schon alles sein?

Nach dem ersten serienmäßigen Einsatz eines fest montierten Navigationssystems in einem 7er BMW vor genau 20 Jahren, bieten Hersteller aller Marken heute verschiedene Systeme für Fahrzeuge in jeder Klasse an. Trotz dieser Verbreitung in ‚unteren Klassen‘ erfreuten sich bis zuletzt mobile System von TomTom, Garmin und Co. großer Beliebtheit. Im Vergleich waren sie viel günstiger und spülten doch den Herstellern dreistellige Millionenumsätze in die Kassen. Mittlerweile haben aber auch die Firmen der ‚Saugnapf-Apparate‘ erkannt, dass die günstige Hardware nicht mehr das schlagende Verkaufskriterium ist. Die Verlagerung in eine reine Dienstleistung auf das Smartphone liegt seit geraumer Zeit auch in diesem Bereich deutlich im Trend.

Kann das schon alles sein? Wo versteckt sich die echte Innovation? Ist der Wechsel vom Einbaugerät aufs Smartphone nur aus Kunden / Nutzer Sicht interessant, weil zusätzliche Hardware eingespart wird? Ist die Hardwareeinsparung der einzige Fortschritt den es in der Branche der Navigation in den letzten zwei Dekaden gegeben hat?

Abgesehen vom Absatz ist diese Umverteilung nicht zuletzt durch den Gewinn aus passiver Datenerhebung begründet, da das Smartphone immer am Nutzer ist und nicht die größte Zeit still im parkenden Fahrzeug schlummert. Das Geschick besteht darin, eine ‚künstliche Intelligenz‘ zu erschaffen, die das auf die Spitze treibt, was der erfahrene Pendler schon jetzt rein intuitiv nutzt – eine tatsächliche Verkehrsvoraussage aufgrund historischer Datenerhebung.

Der niederländische Konzern TomTom betreibt seit knapp 10 Jahren Statistiken und erstellt Auslastungs- und Geschwindigkeitsprofile zu jedem Straßenabschnitt in Deutschland in Abhängigkeit von der Tageszeit. Auf Basis von Handydaten werden die Statistiken erweitert. Das bedeutet, jeder wird im Bereich Floating Phone Data zum digitalen Staumelder. Damit die verschiedenen Positionen nicht verwechselt werden, schließlich fährt nicht jeder mit dem Auto, dessen Handy sich bewegt, liegt ein komplizierter Algorithmus zu Grunde.

Allein aus der Tatsache, dass eine bestimmte Prognose ausgerechnet werden kann, ergibt sich allerdings aus der komplexen Datenlage ein weiteres Problem.

Durch das Einsehen der berechneten Stauprognose wird der Stau wieder verändert, weil „sie das Verhalten der Autofahrer beeinflusst.“[1] Das bedeutet im Umkehrschluss, weil wir wissen, dass wir im Stau stehen werden, fahren wir eine andere Strecke – das kann aber gleichzeitig bedeuten, dass auf der ersten Strecke gar kein Stau entstehen wird, weil wir dort ja nicht mehr fahren werden. Willkommen also in „Zurück in die Zukunft“[2]

 

[1] http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/auto-verkehr/navi-systeme-mit-gps-der-kopilot-wird-immer-klueger-13290683-p2.html (16.12.2014)

[2] Science-Fiction-Film-Triologie aus den Jahren 1985, 1989 und 1990

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