Viel Ungemach für Tesla. Und eine Lehre für das MVP

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Das eigentliche Brain hinter dem selbstfahrenden Auto von Tesla, die israelische Firma Mobileye, ist sauer. Sauer, dass Tesla im Sinne des MVP, des minimal viable product, also im Sinne der Software-Industrie, gehandelt hat – und nicht wie ein Autohersteller.

Was steckt dahinter? Das Konzept des Minimal Viable Product wurde von Eric Ries (*1978), einem Silicon Valley Entrepreneur und Publizisten, populär gemacht. Die Idee ist es, ein Software-Produkt dann auf den Markt zu bringen, wenn es gerade mal eben so funktioniert, um es gemeinsam mit den Nutzern, auf deren Erfordernisse hin, zu perfektionieren. WhatsApp kam z.B. als rudimentäres System auf den Markt und wurde zusammen mit den Nutzern zu dem, was es heute ist.

Der Grund der Sauerkeit ist der tödliche Unfall eines Tesla-Fahrers am 30.6.2016, verursacht durch die Blindheit seines Tesla-Systems inkl. Mobileye-Bausteinen, gegenüber einem – wir erinnern uns – QUERSTEHENDEN WEISSEN LKW. Diesen konnte der Autopilot nicht vom hellen Himmel unterscheiden. Schlechter kann ein Assistenzsystem eigentlich gar nicht mehr sein. Es war auch ein tragischer historischer Moment, nämlich der erste tödliche Unfall mit einem selbstfahrenden Auto. Tesla selbst berichtete bestürzt in seinem Blog darüber. Die Autonomes-Fahren-Community raufte sich die Haare, denn nun mochte sie keiner mehr so wie zuvor. Manche sagen, dass Tesla schlichtweg zu früh mit dem System auf den Markt kam. Eben minimal viable product!

Mobileye hat jedenfalls zurecht moniert, das System sei nicht ausgereift. Die Israelis sehen es so, dass der Autopilot überhaupt erst ab 2018 (!) querstehende Fahrzeuge erkennen kann. Tesla hat das Auto dennoch verkauft. Wenn man es genau betrachtet, dann zeigt sich hier das, was man QUALITÄTSUNTERSCHIED nennen könnte, zwischen einem zwar sehr großen PKW-Start-up und traditionellen Herstellern.

Mobileye trennt sich daher konsequenterweise von Tesla, weil sie ihr Image nicht von solch einem Strauchdieb wie Elon Musk ruinieren lassen wollen. So oder ähnliche sieht man es wohl In Tel Aviv. Man verlautbarte: Tesla sei zu risikofreudig. Aha, das gib es also – zu risikofreudig. Wurde nicht die ganze Zeit stets ins selbe Horn geblasen, es ginge gar nicht risikofreudig genug? Nun ja: Mobileye gibt nun – völlig oldschool-mäßig – BMW (!) den Vorzug.

Das ist aber noch nicht alles für Tesla. Das Unternehmen hat überdies Probleme mit der New Yorker Börsenaufsicht SEC, denn ihm wird vorgeworfen, zu spät über den tödlichen Unfall informiert zu haben. Die zentrale Frage, die jetzt diskutiert wird, ist, ob der Unfall für Investoren eine relevante Information gewesen sei. Die meisten gehen davon aus, dass dies so ist. Die Folgen sind noch unklar.

Drittens hat das Öl seit dem Jahreshöchststand 2016 mehr als 1/5 seines Wertes verloren. Die Sorte WTI wird mittlerweile unter 40 Dollar gehandelt. Mache Experten reden über einen Preis in Richtung 30 $. Auch das ist natürlich ein Dämpfer für einen E-Mobil-Hersteller und daher das dritte Malheur für Tesla, denn Elon Musk will ganz groß ins Solarstrom-Geschäft einsteigen. Der Tagesspiegel schreibt heute: „Der US-Konzern gab am Montag bekannt, den amerikanischen Solarpanel-Hersteller SolarCity für 2,6 Milliarden Dollar in Aktien erwerben zu wollen. Tesla-Chef Elon Musk will so seinen Masterplan vorantreiben, umwelt- und energiebewussten Verbrauchern künftig verschiedenste Produkte unter einer Marke anzubieten.“

Die Marke hat jedenfalls deutlich an Glanz verloren. Ein tragisches Lehrstück  bezüglich der Schwierigkeit Software- auf Hardware-Entwicklungsprinzipien zu übertragen.

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