Totalverblödung

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Ja, ich empfinde es als Verblödung, wenn Verkehrsminister Alexander Dobrindt, über den wir erst kürzlich  (letzter Blog) berichteten, auf der ZEIT Konferenz für Mobilität und Logistik, vorige Woche, wie ein Pennäler über autonomes Fahren schwärmt.

Ich empfinde es auch als Verblödung, wenn allenthalben publiziert wird, wir würden das ALLE so toll finden mit dem Rumrollen ohne Lenkungsfunktion. Wir könnten ja schließlich während der Fahrt shoppen, auf dem iPad rumwischen, fernsehen. Ich WILL das aber gar nicht – während der Fahrt shoppen, daddeln, fernsehen.

Mit Harald Welzer möchte ich stattdessen die Gegenfrage stellen: Wer hat denn wirklich Lust, ein Leben wie ein Säugling zu führen, in einer Kutsche ferngesteuert umhergerollt zu werden, letztlich ohne Einfluss auf das Ziel, welches maßgeblich von den Algorithmen und Profilen der big four gesteuert wird? Diese wirklich bizarre Dystopie als irgendwie begehrenswerte Zukunft zu verkaufen, ist so seicht, so dumm, dass es einem wirklich die Strümpfe auszieht! Eigenartig ist, dass wir kaum negative Kommentare zu diesem derart relevanten Thema hören, dass die negative Betrachtungsweise nicht opportun zu sein scheint, dass wir einer traurigen Einstimmigkeit verfallen zu sein scheinen.

Ich mag leckere Fische mit Butter sehr: Was sind denn die Argumente für diesen Albtraum? 1. Angeblich weniger Unfälle. 2. Angeblich weniger Staus. 3. Angeblich weniger Emissionen. Was sind die Gegenargumente? 1. Weniger Spaß am Fahren. 2. Weniger Freiheit. 3. Weniger Selbstbestimmung. 4. DEUTLICH mehr Arbeitslose. 5. Wesentlich mehr Kontrolle über den Einzelnen. 6. Hackbarkeit des Gesamtsystems, mit nach jedem Hack katastrophaleren Folgen. 7. Wesentlich mehr technischen Aufwand, um den ganzen Quatsch überhaupt zu steuern. 8. Gigantische Serverparks, die MASSIV emittieren, Landschaft verbauen, tote Zonen in den Vorstädten schaffen – unzugänglich, paramilitärisch geschützt.

Das ist alles andere als sympathisch. Diejenigen Serverparks, die ich bisher gesehen habe, gehören jedenfalls zum städtebaulich Scheußlichsten, was mir jemals untergekommen ist. Und ich habe nicht gehört, dass sich das in nächster Zeit wesentlich ändern soll.

Ergo: Die geradezu atemberaubende Unreflektiertheit der gesamten Propaganda in Richtung autonomen Fahrens irritiert mich wirklich sehr. Und ich möchte gerne substanzhaltigere Argument hören, denn das was ich bisher gehört habe, ist – sorry – sehr schwach, sehr naiv, sehr mickrig, langweilig, negativ, öde und lau.

Auf jeden Fall ist es viel zu wenig, um das alles gut zu finden und mich auf die Zukunft des autonomen Fahrens zu FREUEN. Ich möchte mich jedoch gerne auf die Zukunft freuen, denn ich bin ein Mensch der sehr an die Zukunft glaubt – aber nicht an diese schlappe Nummer. Da geht mehr.

3 Kommentare

  1. Wilhelm sagt

    Wie sagte Jeremy Clarkson so richtig: „Es ist doch so: Bisher hat es noch niemand fertiggebracht, einen funktionierenden Drucker zu bauen. Warum sollte man es also schaffen, ein elektrisches Auto zu bauen, das von allein fährt?“

  2. Lieber Georg, Du hast in einem Punkt Recht, den Du allerdings explizit gar nicht ansprichst: Der Vortrag unseres Bundesministers war schwach, inhaltlich mau und ohne Witz gehalten – einfach langweilig.

    Zu Deinen Gegenargumenten: Was sind das für Gegenargumente? Die werden in den Raum geworfen, und Du hättest sie alle mit dem vorher bei den „Argumenten“ verwendeten „angeblich“ versehen sollen. Warum weniger Freiheit? Warum weniger Selbstbestimmung? Warum deutlich mehr Arbeitslose? Warum deutlich mehr Kontrolle über den Einzelnen? Warum deutlich mehr technischer Aufwand, um das System zu steuern? Warum gigantische Serverparks? All diese Fragen lässt Du offen. Dabei könntest Du doch tatsächliche Argumente und Belege bringen. Und hattest Du nicht geschrieben „ich möchte gerne substanzhaltigere Argumente hören“?

    Du wirst merken, dass ich Deine „Gegenargumente“ 1 und 6 nicht genannt habe. Hier kann ich mir vorstellen, dass Du Recht hast, bei 1 allerdings auch nur bedingt. Denn anstelle des Fahrens kann ja das Reisen treten – und das macht vielleicht viel mehr Spaß. Bei 6 nimmt – unabhängig, welchen Aspekte der zunehmenden Digitalisierung wir betrachten – die Gefahr einer Verwundbarkeit zu.

    So – nun komm aus der Deckung und bring den Lesern die substanzhaltigeren Argumente. Ich schließe mit einem Zitat von Dir: „Da geht mehr.“ Mit einem Augenzwinkern – herzliche Grüße.

    PS: Hättest Du mit dem Schreiben nicht warten können, bis der Zorn über die grottige Präsentation des Bundesministers verraucht ist? 😉

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