Stadtplanung gegen Luftverschmutzung

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Logistik / Mobilität
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Bild: GC Bertsch

Die Luftverschmutzung in indischen Städten hat, seit ich vor acht Jahren meine erste von bislang vier Reisen hierher antrat, deutlich zugenommen. Die Umstellung des ÖPNV in Delhi auf CNG (compressed natural gas) hat zwar in der Hauptstadt vorübergehend für Erleichterung gesorgt, diese wurde aber bald durch das massiv erhöhte Gesamtverkehrsaufkommen eingeholt. Doch Delhi blieb eine Ausnahme. Andere Städte sind diesem Beispiel nicht gefolgt. Die im März erschienene Dokumentation „Under the Dome“, ein Bericht über die ungeheuerliche Luftverschmutzung in Chinas Städten, hat nun auch hier in Indien für Aufregung gesorgt, denn das Problem stellt sich ähnlich dar; lediglich, dass in China keine demokratischen Institutionen angerufen werden können, die man zum Handeln auffordern könnte. Dies ist hier in Indien anders, bei aller Mangelhaftigkeit der institutionellen Transparenz.

Sarath Guttikunda ist Leiter der NGO Urban Emmission Info und Prof am Indian Institute of Technology in Bombay. Er kritisiert in der heutigen Printausgabe von „The Hindu“, einer seriösen landesweiten Zeitung, die einseitige Ausrichtung nach technologischen Lösungen statt infrastruktureller Ansätze. Das Problem der Luftverschmutzung sei vor allem auf ungenügende Stadtplanung und infrastrukturelle Organisation zurückzuführen, nicht so sehr auf die spezifischen Antriebsmittel: „Luftverschmutzung ist ein komplexer Sachverhalt und vor allem ein Ergebnis inadäquater Stadtplanung. Die Mängel in der Stromversorgung führen zum vermehrten Einsatz von Dieselgeneratoren. Die Unterversorgung im ÖPNV führt zu erhöhtem motorisiertem Individualverkehr. Der Mangel an Infrastruktur für Transporte mit dem Lastfahrrad oder zu Fuß führt zu stets stärker motorisiertem Lieferverkehr. Unterlassene Reparaturmaßnahmen auf Bürgersteigen, an Straßenrändern und auf Parkplätzen führen dazu, dass auf der Straße geparkt wird, was wiederum Staus verursacht. Die Mängel in der Müllentsorgung führen dazu, dass Unrat liegenbleibt, der von den Bürgern vor Ort verbrannt wird. Der Mangel an ordentlich gesicherten, gepflasterten, asphaltierten Straßen verursacht eine Unmenge an Staub. Die Tatsache, dass die Luftverschmutzung ein Ergebnis sehr unterschiedlicher Mängel und Problemstellungen ist, sollte dazu führen, dass sich die unterschiedlichsten öffentlichen Körperschaften und Ministerien angesichts dieser Fragestellung besser koordinieren. Die technischen Lösungen, etwa die Umstellung von ÖPNV oder Motorradtaxis auf Gas werden alleine nicht reichen, um die Luftverschmutzung in unseren Städten unter Kontrolle zu kriegen. Wir brauchen einen Politikwechsel, der es ermöglicht, dass Behörden und Ministerien mit dem Blick auf das Ganze zusammenarbeiten. Als Bürger haben wir das Recht, zu erfahren, wie verschmutzt die Luft tatsächlich ist, worin die Ursachen liegen und wer die Emittenten sind. Einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Luftqualität tatsächlich ist, etwa durch regelmäßige Messungen, würde einen ersten Schritt in dieser Richtung darstellen. Und wir müssen diesen Schritt machen.“ (Übersetzung GC Bertsch, z.Zt. in Chennai, Tamil Nadu)

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