Rückwärts eingeparkt. SpaceX-Rakete erfolgreich gelandet. Jetzt wird der Orbit zum Industriegürtel.

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Im Januar musste Elon Musk, Firmengründer von SpaceX, twittern, dass erneut eine Landung seiner wiederverwendbaren Satellitenträgerrakete gescheitert war. Auf der Plattform im Meer kam sie zwar sicher an, zerbrach dann aber und explodierte: “Nun, diesmal waren die Trümmerstücke wenigstens größer.“ schrieb er.

Vor zwei Tagen, am 9. April 2016, war das Teil sehr groß, sprich komplett. Die von der NASA für SpaceX durchgeführt Operation ist gelungen! (Video) 600.000 € Treibstoffkosten für Hin- und Rückflug statt 60 Millionen Kosten für eine ganze Wegwerfrakete. Das ist schon was, nicht nur unter unternehmerischen Gesichtspunkten. Künftig wird man die Transportraketen vielfach verwenden können. Das ist der Start in eine neue Ära.

Dies ist ganz nach dem Geschmack des notorischen Zukunftsapostels Elon Musk (*1971). Nach PayPal und Tesla hat er ein drittes wirklich herausragendes Unternehmen erfolgreich gemacht, und zwar nicht nur als CEO sondern auch als CTO, wohlgemerkt! Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Er ist kein Investor wie Warren Buffet oder ein Design- und Marketingmann wie Jobs. Er handelt als Unternehmer und als Erfinder-Techniker, Thomas Alva Edison oder Henry Ford nicht unähnlich. SpaceX gründete er bereits als 29jähriger im Jahre 2002, kurz nachdem er mit Zip2 und PayPal ein paar hundert Millionen verdient hatte.

Der größte Interessent für die Merlin-Triebwerke bzw. die ganzen Falcon 9 Raketen dürfte der Alphabet-Konzern mit seinem Tochterunternehmen Google sein, die den Orbit bekanntlich mit Satelliten spicken wollen –zur Komplettversorgung des Planeten mit GoogleAdlinks u.v.m.

Eine bemannte Version, inkl. der Dragon V2 Transportkapsel, soll 2017 zum ersten Mal mit maximal 7 Astronauten an Bord zur ISS starten und von da an regelmäßig für den Besatzungswechsel sorgen. Den Namen oder auch nur Namensbestandteil „V2“ dafür zu verwenden, darf man getrost als geschmacklos bezeichnen, denn wer sich auch nur am Rande mit Raketen beschäftigt, weiß, dass dies der Name von Hitlers „Wunderwaffe“ war, mit der er England in die Knie zwingen und schließlich die USA angreifen wollte.

Musk gibt sich mit dieser geglückten Landung natürlich nicht zufrieden. Er macht das schließlich nicht nur zum Vergnügen. Zur Zeit werden von SpaceX bereits einige Startanlagen an Ost- und Westküste betrieben. Auch am Golf von Mexiko wird gebaut. Dort soll das bislang größte Startzentrum entstehen. Die ultimative Rakete ist auch bereits in Arbeit, das soll die Falcon Heavy werden, nach der Saturn V. (1968-1973) die stärkste Rakete, welche in den USA bis dato produziert wurde.

Musk ist der Tycoon einer neuen Zeit. Sein Konzept der Raumfahrt-Industrialisierung setzt er kraftvoll und konsequent um. Die damit verbundene Komplettabdeckung des Planeten mit Satelliten sowie der Aufbau zahlreicher Forschung-, später Produktionsstätten im Orbit ist nur eine Frage der Zeit.

Dieser Schritt, die kommerzielle Nutzung der Raumfahrt im industriellen Maßstab, zeigt erneut, in welchem Ausmaß militärische, imperiale Großforschung in den USA den Durchbruch kommerzieller Möglichkeiten befördert.

Ob dies im kleinen Maßstab Bugholz war, erst im Kampffliegerbau erprobt, dann von den Eames im Möbelbau eingesetzt, ob es das Internet ist, ursprünglich als ARPA-Net zum Schutz vor Atomangriffen gedacht; oder nun die Raumfahrt, deren hardware-gebunden Entwicklungszyklen naturgemäß länger dauern.

Unternehmer der Sorte Musk kann es – aktuell zumindest – nur in den USA geben. Ihre Vorhaben ethisch zu beurteilen ist heikel. Man kann bei aller Skepsis gegenüber der Verquickung von Militär (NASA) und Kapital ihren Wagemut und die Weitsicht nicht hoch genug einschätzen. Und was riefen alle, als die Rakete diesmal sicher landete? „U.SA., U.S.A.“ Ein höchst seltsames Land, das die Grenzen seiner kommerziellen Claims ständig weiter steckt, diesmal, am 9. April 2016, endgültig in den Weltraum hinein. Diese Packesel-Raketen sind für die Erschließung des Orbit das, was die transamerikanische Eisenbahn für die Erschließung des Kontinents war …

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