Mit Hand und Fuß

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Mobilität
Foto: © wikimedia commons

Das bengalische Kolkata ist eine der spannendsten Städte der Welt, wo älteste Traditionen direkt mit Hightech-Lösungen konkurrieren, tausende winziger Kleinbetriebe neben globalen Konzernen den Markt ausmachen. Die spezielle Sparte von Mobilitätsanbietern ist besonders interessant: Die 6ooo handgezogenen Rikschas der Stadt. Sie sollten immer mal wieder verboten werden; was regelmäßig am Widerstand der Rikshazieher-Gewerkschaft scheitert. Diese vermutlich einzige Einkommensquelle für oft seit Generationen in der Branche tätigen Riskhazieher lässt sich selbst in Zeiten klimatisierter Vip-Shuttles nicht ausrotten. Was macht die Rikschas trotz der vermeintlichen Antiquiertheit der Vehikel für die Fahrgäste interessant? 1. die relativ hohe Sitzhöhe, über dem PKW-Verkehr (die Abgasbelastung des Rikshaziehers ist allerdings dramatisch); 2. Die relativ hohe Geschwindigkeit im notorisch verstopften Stadtraum. Selbst da wo der Verkehr komplett steht, kann sich eine handgezogenen Rikscha oft noch irgendwie rausmanövrieren. 3. Der günstig Preis (beim Rikshazieher bleiben am Ende des Tages ca. 6 Euro hängen, er hat allerdings auch keine Treibstoffkosten, die eigene Nahrung ausgenommen).

Für Europäer erscheint diese Tätigkeit besonders elend zu sein, da sie wirklich schwere körperliche Arbeit bedeutet. Für die meist aus dem ärmsten indischen Bundesstaat Bihar stammenden, ansonsten unqualifizierte Riskhazieher bietet sie eine vergleichsweise sicher Einkommensquelle. Das Prinzip scheint uns aus ethischen Gründen irgendwie verwerflich. Lässt man diese Überlegung für einen Moment beiseite und bedenkt die Optimierungsmöglichkeiten, in technischer (Lager, Gewicht, Material) und multimodaler (Transportmöglichkeit auch in großen Innenräumen – Flughäfen, Malls, Verknüpfung mit andrem ÖPNV) Hinsicht, ergibt sich ein spannender Raum für Innovationen und Überlegungen, wie die Rikscha nicht nur in Kolkata NICHT abgeschafft werden sollte, sondern, wie wir sie weiterdenken können.

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