Migrations-Bewegung / soziale Mobilität / gesellschaftliche Innovationskraft / Design – ein Zwischenruf zum Jahresbeginn

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Mobilität

Was bedeutet eine liberalere Einwanderungspolitik für die Innovationskraft auch unseres Designs? Wir befinden uns in einem globalen Kontext zunehmender Unübersichtlichkeit, Komplexität und Widersprüchlichkeit, positiv gesprochen: voller Möglichkeiten, Potentiale und Neuem.

Wir sehen vor der Europäischen Haustür eine Katastrophe historischen Ausmaßes: Den Zerfall des Iraks und Syriens im Spannungsfeld ökonomischer Interessen, skrupelloser Politiker, bizarrer religiös-imperialer Ideologien. Dazu kommen in der Region die Hybris eines Erdogan mit seinem 1250 Zimmer Aksaray-Palast sowie die Bildung neuer Machtzentren, etwa Kurdistans. Wir können uns diese explosive Mélange nicht wegwünschen. Hoffentlich werden unsere Regierungen sie nicht wegzubomben versuchen, sondern langfristige politische Lösungen finden.

Denken wir also zum Jahresbeginn nach, was ein positiver Umgang mit den Folgen dieses Desasters sein könnte. Was könnte diese Katastrophe zu einer innovativeren Gesellschaft in Deutschland beitragen?

Wir erfahren gerade, dass Deutschland Schlusslicht in der Welt bei der Bereitschaft sich selbständig zu machen ist. Der Grad an Bereitschaft sich selbständig zu machen ist unter Migranten hingegen traditionell hoch.

Wie lässt sich in einem solchen Kontext ein lebenswertes Zusammenleben vorstellen? (Mauern haben selten lange gehalten, eine offene Aufnahme war häufig ein Katalysator für Innovation, blickt man in die Geschichte.)

Bedenkt man, dass der Migrationsbericht 2013 klarstellt, dass selbst passlose Migration in Deutschland einen Überschuss von rund 22 Mrd € produzieren, da sie wesentlich mehr zum BSP beitragen als sie an Hilfsleistungen der Staatskasse entnehmen, dann kann man sich nur die Haare raufen.

Hätten die USA nicht in verschiedenen Schüben Flüchtlinge aus Europa aufgenommen, wären sie nie zum Innovationstreiber des 20. Jh. geworden. Um Kreativbranchen zu nennen, bei der wir einigermaßen valide Zahlen haben: Allein 5000 europäische Komponisten querten den Atlantik auf der Flucht vor den Nazis. Rund 2.000 deutschsprachige Filmschaffende emigrierten während der Zeit des Nationalsozialismus in die USA. Würden wir heute die häufig hochgebildeten, motivierten, um sinnvolle Tätigkeiten ringenden Syrer, Iraker, Schwarzafrikaner scharenweise und offener aufnehmen, könnte auch hier eine gewaltige Kreativ- und Innovationskultur von unten entstehen.

Durch dieses Prinzip der Offenheit kämen Ideen und Konzepte zusammen, die wirklich Neues entstehen lassen, denn nur durch Verbindung von zuvor Unverbundenem entsteht Neues.

Wenn wir bei heute über 7 Mrd. Menschen keine aktiven Aufnahmekulturen in Zielländern schaffen können, wie werden wir handlungsfähig bleiben, wenn es 8 oder 9 von uns auf der Welt geben wird?

Der Versuch einer kulturellen Isolation ist nicht nur höchst kontraproduktiv – gesellschaftlich und professionell. Er ist tödlich für all die Prinzipien der Innovation, die auch Design voranbringen, denn Isolation führt stattdessen zum vermehrten Bau von Mauern und Gräben (Melilla, Ostjerusalem, Frontex EU-Grenzschutz im Mittelmeer), statt zur Nutzung der Neugierde und Kreativität einmal in Bewegung geratener Bevölkerungen.

Entkommen wir also dieser Isolationsmystik, nehmen wir prozentual zumindest so viele Flüchtlinge auf wie Norwegen (ca. 10% gemessen an der Bevölkerung – statt z.Zt. 2% in Deutschland. Es käme uns zugute. Heute – und noch mehr morgen, wenn uns unsere eigene Demoskopie auf den Kopf fällt.

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