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Innovation / Mobilität
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Mit achtzig an der New Yorker NASDAQ gelisteten High-Tech-Firmen (Deutschland: 2) darf Israel als Technologie-Start-up-Paradis gelten. Die höchste Anzahl an Patenten pro Kopf weltweit ist auch nicht schlecht. Nach dem Global Creativity Index, unter den drei Faktoren Talent, Technology und Tolerance ist das Land auch ganz vorne, trotz all der bekannten sozialen Schroffheiten. Es zählt zu den Motoren im unternehmerischen Denken „Canada, Israel, and the United States have the highest levels of entrepreneurial activity, while Denmark, Finland, France, Germany, and Japan have the lowest.“ (Florida, Richard / Mellander, Charlotta / Stolarick, Kevin Global Creativity Index, p.20, 2010)

Kein Wunder, denn Israel selbst ist ein Start-up, sein Neuhebräisch, seine Technologiekultur ebenfalls. Zur Start-Up-Kultur gehört aber auch die Scheitern-Dürfen-Kultur. Dies ist erst kürzlich Shai Agassi zugute gekommen, als seine E-Car-Wunderfirma „Better Place“ krachend mit dreistelligen Millionenverlusten Pleite ging. Niemand nimmt ihm das hier übel, außer einzelnen Riskokapitalgebern, die Geld verbrannt haben. Agassis Ingenieure sitzen längst in anderen Firmen, bei GM etc. und werkeln munter an Batterie-Optimierungen weiter.

Auffällig ist in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa aber vor allem eines: E-Bikes im Straßenbild, und zwar jeder Provenienz: Internationale Marken, Öffentliche oder private Verleihdienste mit heimischen Modellen, Eigenbau. Allein im letzten Jahr wurden 120.00 E-Bikes nach Israel importiert. Dazu kommt die inländische Produktion. In Deutschland mit einer 10mal so großen Bevölkerung wurden 2014 insgesamt 480.000 verkauft. In Tel Aviv sind Leihfahrräder besonders beliebt, auch ohne „E“, denn die Stadt ist flach, liegt am Meer. In Jerusalem mit seinen Hügeln und Bergen sind E-Bikes deutlich mehr angesagt.

Setzt man sich zum Kaffee an die verkehrsberuhigte Jaffa Road, auf der nur Trams und Zweiräder erlaubt sind, begegnen einem binnen 5 Minuten 10 verschiedene Typen. Dieser Wildwuchs ist einerseits Ausdruck der DIY-Kultur, anderseits auch ein Zeichen unablässiger unternehmerischer Versuche, etwas Neues, Anderes, Besseres zu machen. Also weiterhin „Better Place“, aber als Dauerzustand und in hunderten von Garagen und Werkstätten. Georg-Christof Bertsch z.Zt. in Tel Aviv

 

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