Gegen die Automatisierung

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Der German Wings-Absturz hat bereits eine Reihe von Konsequenzen gehabt – von Forderungen nach der vollständigen Ausgrenzung Depressiver aus dem Berufsleben oder die Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht bis hin zur kompletten Automatisierung des Fliegens.

Nun wacht auch die Deutsche Flugsicherung auf, indem sie ein bereits einige Jahre angegrautes Konzept zur Fernsteuerung von Flugzeugen erneut vorlegt. Sie möchte vom Boden aus noch mehr Macht über den Himmel haben. Aus geschäftlicher Sicht nachvollziehbar, aber zweifelsfrei von sehr spezifischen Kontroll-Interessen getrieben.

Heise online berichtet hierzu am 15. April: „Klaus-Dieter Scheurle, CEO der Deutschen Flugsicherung (DFS), ist (…) auf den Absturz der Germanwings-Maschine eingegangen, die offenbar vom Co-Piloten absichtlich herbeigeführt wurde. In dem Zusammenhang regte er an, über ein Anti-Hijacking-System nachzudenken, mit dem es möglich ist, die Kontrolle über ein Flugzeug in einer Notsituation vom Boden aus zu übernehmen und es sicher zu landen. Dabei brachte er das EU-Forschungsprojekt SOFIA ins Spiel. Es arbeitete von 2006 bis 2009 an einem Fernsteuerungssystem, durch das es möglich sein soll, beispielsweise im Fall einer Entführung die Kontrolle über das Flugzeug vom Cockpit aus per Flug-Rekonfiguration zu verhindern und vom Boden oder von einem Abfangjäger aus zu übernehmen. An die Ergebnisse dieses Projekts könne angeknüpft werden.“

Wie sehen Sie das? Ich zumindest kann mir als Flugpassagier keinen größeren Albtraum vorstellen: Komplette Fernsteuerung durch die Flugsicherung! (Lassen Sie uns das Szenario weiterdenken: >> Paranoide Flugsicherer >> Passwort-Zugang für Hacker >> Terroristen als potentielle Remote-Piloten, die mich aus ihrem Pick-Up Nähe Quakenbrück mittels Joystick nach Pjöngjang umleiten?).

Dahinter steckt die Frage: Soll man auf das – zugegeben dramatische – Versagen eines offenbar wirklich sehr kranken Piloten mit dem Ruf nach einer kompletten Fernsteuerung im Katastrophenfall reagieren? Das erscheint mir wie die Forderung nach einer Automatisierung von Caféhaus-Besuchen, weil im Jahre 1913 ein Caféhaus von einem Anarchisten gesprengt wurde. (Also, mein Avatar trinkt aus Sicherheitsgründen Cappuccino für mich?)

Automatisches Fahren, fahrerlose Autos, ferngesteuerte Airbusse. Wo soll da die zusätzliche Sicherheit sein? Ich sehe nur zusätzliche Gefahren, wenn man bedenkt, dass am Wochenende der global aktive Fernsehsender TV 5 Monde gehackt wurde. (Siehe auch unseren Blog-Beitrag über automatisierte Systeme)

Darf die Reaktion auf einen derart tragischen Fall wie den A 320-Absturz in einer weiteren Automatisierung liegen? Sollte sie nicht viel mehr in der stärkeren sozialen Einbindung von Personen liegen, die den Kontakt zur Gesellschaft verlieren?

Wenn das unser Antwort wäre: das Delegieren der Verantwortung für Mobilitäts-Leistungen weg von Fahrern, Piloten, Kapitänen hin zu anonymen Kontrollbunkern, dann hätten wir als Gesellschaft ein Problem, das weit, ja sehr weit über jenes eines psychopathischen Andreas L. hinausginge.

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