Dümmer als die 70er Jahre?

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Mobilität
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Foto: Georg-Christof Bertsch

In Naomi Kleins ohnehin bedrückendem Buch „This will change everything“ (dt. Kapitalismus vs. Klima“) ist eine Erkenntnis besonders frustrierend. Es ist amerikanischen Lobby-Organisationen (z.B. Heartland) im letzten Jahrzehnt gelungen, das Land erfolgreich mit einer milliardenschweren PR-Lügenkampagne zu verblöden: »A 2007 Harris poll found that 71 percent of Americans believed that the continued burning of fossil fuels would alter the climate. By 2009 the figure had dropped to 51 percent. In June 2011 the number was down to 44 percent—well under half the population.«

Es ist daher umso unerfreulicher, dass ein polemischer Ton gegenüber E-Mobilität und Mobilitätsreduktion hinter vorgehaltener Hand auch hierzulande zunimmt, wie Umweltpolitik als sekundär gegenüber Absatzzahlen bei SUVs verunglimpft wird. Das Bewusstsein für die Thema schwindet ganz offensichtlich, während die von uns nach China und die südostasiatischen »Tiger«-Staaten exportierten Emissionen rasant zunehmen. Wohl gemerkt: Wir, also die europäischen Konsumenten, die europäischen Produzenten mit Standorten oder supply chains in China (praktisch alle mittleren und großen Unternehmen) emittieren weit weg. Das geschieht ganz nach dem stupiden Motto: Aus den Augen aus dem Sinn. Man kann sich leicht locker machen indem man sagt: „Ach, was sind die Chinesen doch für üble Stinker.“

Man hat den Dreck schlichtweg aus dem Gesichtsfeld derer entfernt, die aufgrund der demokratischen Strukturen ihrer Ländern in der Lage wären zu intervenieren, wie dies in der BRD in den 70er geschah, als vergiftete Flüsse und entsetzlich stinkende Städte zur Gründung der Umweltbewegung und schließlich der Grünen führten – und parallel zu einer massiven Gesetzgebung. Man konnte binnen weniger Jahre politisch offenbar sehr viel erreichen.

Um aus meiner eigenen Rede in Chennai, Indien (19.3.) über diese Zeit in der BRD zu zitieren: »The disastrous conditions of air pollution as well as many rivers and lakes in Germany caused private and public protest which led to legislative action under the social democratic administrations of the 70s (federal cabinets Brandt I., Brandt II.,, Schmidt I.) – and also to the foundation of the Green Party in 1980. Legislation was the key to the improvement, especially in the decade from 1970-1980: Leaded petrol Act (1971), Waste Management Act (1972), establishment of the Advisory Council on the Environment (1972), Federal law on Emissions (1974), establishment of the Federal Environment Agency (1974), Water Resources Act (1976), the Federal Nature Conservation Act (1976), Energy Conservation Act (1976) and Fertilisers Act (1977). Measures were taken and the water conditions of the rivers improved through co-ordinated local, regional, national and European action of public and private bodies.«

In der Rede bezog ich mich auf Wasser, gleiches gilt selbstverständlich für die CO2-Emissions- und Feinstaub-Frage. Wir sind heute unendlich langsam, während wir schneller als je zuvor sein müssten/sein könnten. Vergangene politische Epochen haben gezeigt, dass in sehr kurzer Zeit sehr viel im positiven Sinne verändert werden kann.

Im Bereich der CO2-Emissionen erleben wir seit den 90er Jahren jedoch genau das Gegenteil: Einen fatalen Stillstand, ja eine desaströse konstante Verschlechterung auf Weltniveau. Anlässlich des  G7-Gipfels auf Schloss Elmau in ein paar Tagen will Kanzlerin Merkel angeblich einen neuen Vorstoß wagen. Man ist inzwischen daran gewöhnt, dass diese Art Initiativen im globalen Rahmen scheitern (Stichwort Kopenhagen 2009). Vielleicht, ja vielleicht ist es diesmal anders …

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