Drohnen abknallen. Künftig auch vom Balkon aus.

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Bild: openworks, 2016

Drohnen. Darauf setzen Google und Amazon. Darauf setzen DHL und das FBI. Dieses lästige Geschmeiß vom Himmel zu holen, dem widmet sich unterdessen nicht nur die holländische Polizei, die mit Adlern Jagd macht, sondern auch die Waffenindustrie.

Das jüngste Kanönchen: die Skywall 100. Sie  ähnelt dem Launcher von Stinger-Raketen, mit denen die US Army in den 80er Jahren Mujaheddin ausstattete, um Sowjetische Mil-Mi 24 Kampfhubschrauber über Kundus und Kabul zu zerfetzen.

Wieso aber Drohnen abschießen? Nun letzten Freitag, um 13.34 Uhr Ortszeit, ist eine LH 747 vor dem Flughafen von Los Angeles in 1500 Metern (!) Höhe knapp dem Zusammenstoß mit einer Drohne entgangen. Die Tagesschau berichtet: „Seit April 2014 wurden der FAA einem Bericht der „Los Angeles Times“ zufolge mindestens 42 Fälle gemeldet, in denen Drohnen in unsicherer Nähe am Flughafen Los Angeles International Airport (LAX) gesichtet worden seien.“ Am Freitag durften die 500 Passagiere  aufatmen. Ihre LH-Maschine landete sicher. Aber: Was machen Drohnen auf anderthalb Kilometern, in einer Höhe die definitiv für sie gesperrt ist? Nun, dass was sie künftig nach vielen Prognosen machen werden: Überall sein.

Die Gefahr durch Drohnen ist unterm Strich möglicherweise deutlich größer als ihr Nutzen. Abgesehen von den zynischen US-Drohnen-Bombardements im Nahem Osten:  Jeder Hobbyterrorist könnte während eines Bundesligaspiels mittels Drohne Bomben über dem Frankfurter Waldstadion abwerfen. Die winzigen Quadrokopterdrohnen, mit denen Technospanner FKK-Strände an der Ostsee filmen, sind nicht minder lästig. Von Drohnen ganz zu schweigen, die im Umfeld von Staatsbesuchen Büros  und Wohnungen abfilmen. Ein Anwalt, der am 19.6.2013, zum Zeitpunkt von Obamas Berlinbesuch seine Kanzlei im 7. Stock am Potsdamer Platz hatte: „Die filmten uns die Bildschirme ab. Du hörst nichts, dann drehst Du dich um – und so ein Ding schwirrt vor Deinem Fenster rum.“

Mit Skywall 100 (gegen Pizza-Lieferdrohnen?), Skywall 200 (für Rockkonzerte?) und Skywall 300 (fest installiert über Mädcheninternaten in Saudi Arabien?) gibt es nun die Antwort. Diese Waffe hat der englische Hersteller Openworks im Februar auf den Markt gebracht. Es ist eine handliche Kanone, die einen Ausblick auf künftige Luftschlachten über unseren Städten gibt. Skywall 100 sieht exakt so aus, als käme er aus einem Ego- oder First-Person-Shooter-Game. Dort würde man mit einem vergleichbaren Gerät Drohnen pulverisieren. Nicht so bei Skywall 100. Hier wird die Drohne mit einem Netz gefangen, mit dem Fallschirm sicher zu Boden gebracht, wo alle Daten ausgelesen und alle Spuren gesichert werden. Also eher MI6 als Rambo.

Die Universität Michigan arbeitet an einem ähnlichen Geräte. Die Holländische Polizei nutzt bekanntermaßen Adler, um Drohnen unschädlich zu machen. Es gibt auch bereits Drohnen, die andere Drohnen mittels Netzen vom Himmel holen. Aber ein derart endverbraucherorientiertes Gerät wie Skywall 100 ist doch eher verblüffend. So als sollte künftig jeder zu Hause in der Lage sein, Drohnen vom Himmel zu pflücken.

Wie funktioniert dieses Ding: Die Kanone schießt die Netze sehr geräuscharm über die Drohnen, z.B. in Flugverbotszonen oder über der Vorortstraße, wo DHL gerade Highheels ausliefert. Sie wird auf der Schulter getragen (wie die Stinger) und feuert per Gasdruck ein Geschoss ab, das im Idealfall kurz vor der Drohne in Einzelteile zerfällt. Dabei wird ein fast drei Meter großes quadratisches Netz über das Fluggerät gespannt. Die Drohe gleitet anschließend mit dem Fallschirm abwärts. Man kann in kurzer Folge mehrfach schießen, entweder, um die Drohne doch noch zu treffen – falls die Peilung nicht stimmt – oder um einen Schwarm zu elimineren. Es gibt wahlweise auch Projektile, welche die Elektronik stören.

Wann dieses neue Geschoss auf dem Markt kommt, steht noch nicht fest. Aber es wird kommen, so sicher wie die genau so bescheidene Idee, den Himmel mit summenden Paketboten zu bestücken. Mal sehen, ab wann  Skywall 100 mit Amazon Prime-Drohnen ausgeliefert wird.

 

 

 

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