DMK 2014 Rückblick II: Prof. Peter Eckart über „Universal Design (UD) in der Mobilität“

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Im Rahmen des 2. Deutschen Mobilitätskongresses  wurden die Arbeiten der Preisträger des “Hessischen Staatspreis Universelles Design 2013“ ausgestellt, welcher erstmals 2013 vom Hessischen Ministerium der Finanzen und dem Hessischen Sozialministerium ausgelobt wurde.  Prof. Peter Eckart, Professor und Vizepräsident der Hochschule für Gestaltung Offenbach, Mitbegründer des dml und Jurymitglied bei der Vergabe des Staatspreises wurde im Rahmen des Kongress als Referent für die Sequenz „Universal Design (UD) in der Mobilität“ geladen. Gemeinsam mit Andreas Winkel (Redakteur hr-1 Desk), Thomas Busch (Rhein-Main-Verkehrsbund GmbH, Leiter des Geschäftsbereich Verkehrs- und Mobilitätsplanung) und moderiert von Prof. Dr. Michael Benz (International School of Management) sprach Prof. Peter Eckart zur Relevanz von Universal Design.

In Deutschland, aber auch weltweit befassen sich nur wenige Hochschulen explizit mit dem Thema „Universal Design“. So berichtete Prof. Eckart, der sich selbst nicht als Universal Design-Spezialist sieht und dennoch immer wieder – alltäglich wie professionell – mit diesem Thema konfrontiert ist.

Mit seinem in Frankfurt ansässigen Designbüro UNIT Design entwickelt Peter Eckart Orientierungssysteme, Produkte und Applikationen für den öffentlichen Raum, zum Beispiel den Service Point für die Deutsche Bahn, der deutschlandweit eingesetzt wird, das Leitsystem der Stadt Frankfurt, welches zu ihren Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten führt oder auch Orientierungssysteme für die Ämter dieser Stadt.

Den Projekten liegen immer wieder auch verkehrslogistische Fragen zugrunde. Dieses gilt für die Umsetzung eines Orientierungssystems für den Frankfurter Flughafen oder für die visuelle Untersuchung des aktuellen Wegesystems der Konstablerwache.

Dass die Grundätze des „Universal Design“ schon im kleinsten Detail, z.B. bei der Gestaltung eines Piktogramms, eine wesentliche Rolle spielen, wurde an einer Vielzahl von Beispielen verdeutlicht. Die Kernbotschaft des Universal Design, oder auch des thematisch ähnlich positionierten „Design for All“ lautet: „wir haben für alle gleichermaßen zu gestalten und zu entwickeln, nicht allein für eine spezielle Gruppe“. In diesem Prozess „…geht es um Barrierefreiheit, um Inklusion, es geht um Gleichberechtigung, es geht um Design für Alle.“ so Eckart.

Die Relevanz der Auseinandersetzung mit Universal Design begründet Prof. Eckart mit vielen Faktoren. Neben dem demografischen Wandel schreibt er der Globalisierung, speziell der Frage, wie man Menschen unterschiedlichster Herkunft auf eine gemeinsame Verständnisebene bringt, der fortschreitenden Technisierung unserer Gesellschaft und der damit einhergehenden Anonymität eine große Bedeutung zu. Heute leben fast 50% unserer Gesellschaft allein. Damit entstehen neue Formen der Autonomie, der wir uns bewusst werden und die wir mitgestalten müssen.

Jeder sollte sich zu Universal Design äußern können, so Eckart. Tatsächlich betreffen die Handlungs- und Gestaltungsfelder des Universal Design oder Design for All auch Architekten, Stadtplaner, Verkehrsbetriebe – vielmehr noch: die ganze Gesellschaft ist davon betroffen. Eine ausschließliche Kopplung an die Disziplin der Produktgestaltung  greife zu kurz. Aktuell sieht die Realität aber noch anders aus, jeder fühlt sich irgendwie verantwortlich, aber keiner so richtig. Offenbar ist die Frage der Zuständigkeit noch nicht beantwortet.

Prof. Eckart gab auch deshalb zu bedenken, ob es nicht vielleicht an der Zeit sei, über die Etablierung eines Studiengangs nachzudenken, der sich explizit mit dem Thema befasst. Wo und wie ein solches Studium anzusiedeln sei, ob schwerpunktmäßig sozialwissenschaftlich oder entwerfend ausgerichtet, ließ er offen. In erster Linie sei es wichtig, ein korrespondierendes, interdisziplinäres System zu entwickeln, da Universal Design schließlich alle etwas angeht.

[Bilder: HOLM GmbH]

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