Diplomarbeit: Tess | textile enclosing seat system von Sarah Langerfeldt

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Bildungsinstitution / Mobilität / People
Kontext

Ende Oktober 2014 haben wir zur Diplompräsentation des Fachbereichs Produktgestaltung der HfG Offenbach geladen. Es wurde eine Vielzahl spannender Diplomarbeiten präsentiert. Fast die Hälfte aller Diplomanden des Jahrganges haben sich thematisch mit Mobilitätsthemen oder logistischen Fragestellungen auseinander gesetzt. Heute möchten wir euch die Abschlussarbeit Tess von Sarah Langerfeldt (Betreuer: Prof. Frank Georg Zebner) vorstellen.

Circa 130 Millionen Menschen fahren jährlich mit der Bahn. Doch seit einiger Zeit kommt Wind auf – immer mehr Fahrgäste steigen um. Runter von der Schiene – rauf auf die Straße. Nach IGES sind im Jahr 2013 schätzungsweise 9 Millionen Menschen mit dem Fernreisebus gereist und es werden täglich mehr. Du hast dich in deiner Diplomarbeit mit dem komfortablen Reisen in Bussen in Konkurrenz zur DB beschäftigt. Was macht das Reisen mit einem Fernreisebus deiner Meinung so attraktiv?

Ich denke, dass das Reisen mit dem Fernreisebus grade für junge Leute wie Schüler, oder Studenten immer interessanter wird, aber auch Leute im Rentenalter nutzen diese, bei weitem günstigere, Alternative zur DB. Da die Preise der Bahn immer weiter erhöht werden und für viele ein eigenes Auto nicht in Frage kommt, ist das Reisen mit dem Fernbus eine gute Ausweichmöglichkeit. Hinzu kommt, dass der Fernbus ein flexibles Streckennetz anbieten kann und diese stetig ausbaut.

Was hat dich dazu inspiriert, dich mit diesem Thema zu befassen?

Ich kannte das Konzept von Fernreisebussen aus dem Ausland, wo diese Transportmittel schon seit Jahren eingesetzt werden. Seit 2012 wurden sie nun auch endlich in Deutschland eingeführt. Da das Thema hier recht aktuell ist und ich selbst viel unterwegs bin, war der Fernbus, auch für mich, oft die bessere Alternative zur Bahn. Mich hat an dem Thema besonders interessiert, dass der Fernbus als neues Verkehrsmittel eine neue Art zu Reisen darstellt, die noch viel Gestaltungsspielraum lässt.

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Foto: Monika Müller / Frankfurter Rundschau 26.Okt 2014

In deiner Recherche hast du dich intensiv mit Fernreisebussen auseinander gesetzt. Welches sind die wesentlichen Vor- und Nachteile?  Welche Erkenntnisse haben deine Entwurfsparameter maßgeblich beeinflusst?

Wie bereits erwähnt, spielen der Preis und auch das gut ausgebaute Netz eine positive Rolle. Weitere Vorteile sind sicherlich kostenloses W-LAN und eine online Videothek die man ebenfalls kostenlos nutzen kann. In der Gestaltung habe ich mich jedoch eher mit den räumlichen Begebenheiten auseinandersetzt. Ein großer Nachteil der Busse ist der Platzmangel, die fehlende Privatsphäre und der Sitzkomfort. Diese Punkte stellten meine Entwurfsschwerpunkte dar. Ich wollte Komfort und Flexibilität auf engstem Raum schaffen.

Das Sitzsystem Tess ist das Ergebnis deiner Recherchen und Ausarbeitung. Wofür steht Tess?

Tess (textile enclosing seat system) steht für ein variables Sitzsystem für öffentliche Fernverkehrsmittel, welches durch die textilen Bänder und das im Boden verankerte Schienensystem den Wunsch nach einem exklusiven und individuellen Rückzugsort erfüllt.

Was macht Tess einzigartig? Welches sind die Schwerpunkte deines Entwurfs gewesen?

Das Besondere an Tess sind zum einen die textilen Bänder, die seitlich von der Rückenlehne zur Sitzschale gespannt werden können. Sie dienen als Anlehnmöglichkeit, aber auch als Abschirmung. Zum anderen spielt die ergonomische Sitzpolsterung eine wichtige Rolle, diese unterstützt die Belastungspunkte während der langen Reise und erleichtert dem Gast das Sitzen. Sie wurde durch Körper- und Sitzstudien abgeleitet. Auch das Schienensystem gehört zu den Entwurfsschwerpunkten.

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Tess / Rendering von Sarah Langerfeld

In dem Sitzsystem Tess, werden die Sitze auf Schienen befestigt. Welche Vorteile bringen das mit sich?

Durch das Schienensystem können die Sitze über zwei Achsen verschoben werden. So kann man den Abstand zu seinem Sitznachbarn vergrößern, aber auch die Sitze zu einer Bank zusammenschieben. Außerdem ist es möglich, den Sitz vor- und zurückzubewegen. Ist der Platz hinter einem nicht besetzt, kann man den freien Raum für sich nutzen. Auf diese Weise entstehen verschiedene Sitzpositionen: die Ausgangsposition nebeneinander, der Paarsitz oder die Bank und die versetzen Einzelsitze.

Ist Tess ausschließlich in Bussen einzusetzen? Oder könnte es auch das Reisen in anderen Verkehrsmitteln attraktiver machen?

Das Konzept ist eigentlich auf alle Fernreiseverkehrsmittel übertragbar. Ich kann mir Tess auch sehr gut im Flugzeug vorstellen. Grade die unbeliebten Mittelplätze könnten von Tess profitieren.

Wie reist du? Bus oder Bahn?  Und warum?

Ich reise mit beiden Verkehrsmitteln. Habe ich Zeit und kann es riskieren in einen Stau zugeraten, wähle ich den Bus. Muss ich jedoch zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein, oder am PC arbeiten bevorzuge ich die Bahn. Obwohl man da natürlich auch oft mit Verspätungen rechnen muss.

Seit dem du deine Diplomarbeit abgeschlossen hast, sind ein paar Tage ins Land gegangen. Ist es an der Zeit ein Resümee zu ziehen?  Wie geht deine Reise mit Tess weiter? 

Ich denke, Tess ist noch nicht am Ziel angekommen. Es gibt immer noch Fragen zu beantworten, Ideen weiterzuentwickeln, vielleicht sogar weitere Aspekte in die Gestaltung mit aufzunehmen, aber fürs erste habe ich einen Schnitt gemacht.

Danke Sarah.

Wer mehr von dem spannenden Projekt erfahren möchte, kann sich gerne via Mail direkt an uns wenden. Wir leiten die Anfrage dann an Sarah Langerfeldt weiter.

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