Der Ort des Anderswo (ein Nicht-Ort)

Schreibe einen Kommentar
Bildungsinstitution / People

OLYMPUS DIGITAL CAMERAProf. Dr. Kai Vöckler (Hochschule für Gestaltung Offenbach / dml) hat in diesem Jahr das wirklich beeindruckende Buch Die Welt als Stadt veröffentlicht. In unregelmäßigen Abständen werden auf dem dml-blog Passagen zum Nachdenken aus Die Welt als Stadt erscheinen.

 

 

Traumgleiche Geschwindigkeit I.

Der zeitgenössische Raum ist das Produkt einer gesellschaftlichen Praxis, die es gewöhnt ist, zu jeder Zeit und an jedem Ort Anschlüsse zu anderen Orten (real oder virtuell) herstellen zu können. In dieser Praxis ist ein räumlich Imaginäres wirksam, der Entwurf einer Aufhebung der räumlichen und zeitlichen Distanzen. Anders gesagt, hier formuliert sich eine Utopie, der Ort des Anderswo (ein Nicht-Ort), der als utopisches Versprechen in den Raum eindringt. Es ist nicht mehr der kontinuierliche Raum der nachmittelalterlichen Stadt, der aus der Wechselwirkung von Orten resultiert, und es ist auch nicht der durch die funktionale Zergliederung homogenisierte Raum der modernen Stadt, in dessen Raster die Orte nur noch Standorte, räumliche Segmente sind. Vielmehr handelt es sich um einen Raum, der als eine Gesamtheit von Orten und Stellen definiert werden kann, die sich keiner Raumordnung fügen. Ein Raum aus Gegensätzen, Kontrasten, Überlagerungen und des Nebeneinander, die an die Stelle der Entfernungen, der Raum-Zeit-Distanzen treten – der verspricht, dass diese überwunden werden können.

(Auszug aus Kai Vöckler: Die Welt als Stadt. Ein Raumbild des 21. Jahrhunderts. Berlin 2014, S. 120-124)

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *