Apple baut das Auto

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Mobilität
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Kometen-Einschlag in der Autoindustrie?

Diesen Samstag ging im Ukraine-Thema unter, dass Apple konkret an einem Auto arbeitet. Dies war schon lange erwartet und vermutet worden, aber nun ist es wohl amtlich: „Apple Gears Up to Challenge Tesla in Electric Cars. IPhone Maker Has 100s Working on Design of a Minivan Like Vehicle.“ titelt das Wall Street Journal. Auch die FAZ online berichtete gestern unter dem reißerischen Titel „Die Auto-Attacke aus dem Silicon Valley

In einem für den Normalbürger geheimem kalifornischen Labor, welches der NSA, chinesischen Hackern und dem E-Auto-Konkurrenten Google wohlbekannt sein dürfte, arbeiten seit Monaten hunderte von Apple-Mitarbeitern ausdrücklich „am Design“. Googles Problem mit der Hässlichkeit und Unappetitlichkeit des fahrerlosen Autos wird sich Apple standesgemäß nicht anziehen. Tim Cook gab dem Projekt den Codenamen „Titan“, was auch immer das heißen mag, sicher nicht eine formale Anleihe bei Olli Kahn.

Steve Zadesky, ein Apple Urgestein, leitet das Projekt. Er war schon beim iPhone und beim iPad dabei – und jetzt kommt die Delikatesse: er wechselte vor Jahr und Tag von Ford zu Apple. Das IST eine ernste Angelegenheit für alle Karossenbauer, nicht zuletzt deshalb, weil einer der besten und mächtigsten OEM (original equipment manufacturer), Magna Steyr, bereits mit im Boot sitzt. Beim Blick auf deren Website sieht man: Magna hat das volle Programm: „Engineering Services: From systems and modules to complete vehicle engineering / Vehicle Contract Manufacturing: Flexible solutions from niche to volume production / Fuel Systems: Conventional energy storage systems (made of steel, plastic and aluminum) / Battery Systems: Battery systems for renewable energies.“ Magna Steyr kann das als “ largest contract manufacturer for automobiles worldwide“ alles sehr gut. Erstklassig. Apple nutzt also einen der besten und komplettesten Lieferanten der führenden Automarken und wird wohl mit dem Geldberg, auf die Firma sitzt – 178 Mrd. $ nach dem besten Quartalsgewinn aller Unternehmen aller Zeiten – sinnvoll umgehen.

Angeblich sei die Form von der Minivan-Klasse abgeleitet. Heise online schreibt heute: „Apple ist bekannt, viele Prototypen zu testen, die nicht zu fertigen Produkten werden. So gibt es zum Beispiel immer noch keinen Apple-Fernseher, über den schon vor Jahren spekuliert wurde.“ So erklärt sich auch, dass jetzt durchsickerte, Apple arbeite bereits seit Jahren an dem Projekt.

Richtig aufgefallen ist das Projekt aber erst, als Apple immer mehr Autoingenieure angestellt hat. Darüber berichtet die Financial Times bereits letzte Woche. heise online weiter: “Bekannt ist, dass der Chef des kalifornischen Entwicklungszentrums von Mercedes, Johann Jungwirth, bereits im vergangenen September zu Apple wechselte. Seit Januar arbeitet bei Apple auch der Manager Robert Gough, der zuvor beim Autozulieferer Autoliv war.“ Auch Elon Musk, Tesla-Boss, beklagte kürzlich in einem Interview, Apple werbe bei ihm Mitarbeiter ab. Da bezog man dies aber noch auf reine Batterie-Themen, nicht auf das ganze Auto.

In seinem seinerzeit viel beachteten Buch „Was würde Apple tun?“ (Econ/Ullstein, 2011) hat Dirk Beckmann vor 4 Jahren die Prinzipien Apples ausgefiltert, um zu erklären, wie man in der digitalen Welt Geld verdienen kann. Er entwickelte die Thesen bereits 2010 an damals vier hypothetischen Produktklassen: Ein Küche von Apple; ein Fernseher von Apple; eine E-Learning Plattform von Apple und: Ein Auto von Apple“. Im Kapitel Auto macht er ab Seite 101 folgende scheinbar banale Feststellung: „Die Gleichförmigkeit und die Austauschbarkeit heutiger Automobile widerspricht einer immer mehr nach Individualität strebenden Welt.“ Interessanter wird es aber in den folgenden Gedankengängen: „Könnte man das Tintenpatronen-Modell für die Produktion und den Verkauf von Autos adaptieren?“ „Könnte man sich zuvor eine Tankstellenkette oder einen Energieversorger kaufen, der aussschließlich für diese neuen PKW gedacht ist?“ „Man könnte die Autos zu einem Bruchteil des heutigen Preises verkaufen“ denn das eigentlich Geschäft läge logischerweise im Refill, im Rundum-Service, in der festen Bindung – und dem geschlossenen System, so wie Apple bekanntlich immer arbeitet. All dies ist finanziell ohne weiteres möglich. Apple hat allein 178 Mrd Cash. Der Börsenwert von RWE, dem deutschen Energieriesen, liegt bei rund 20 Mrd. …

Wir können sicher davon ausgehen, dass dieses Auto (iCar?)  sehr gut aussehen wird und sehr bedienerfreundlich sein wird. Was dieser Kometen-Einschlag für die Automobilindustrie, auch für die deutsche, bedeuten KÖNNTE, will man sich, angesichts des Niedergangs des finnischen Ex-Nationalhelden Nokia im Smartphone-Zeitalter, lieber nicht vorstellen.

Der tröstende, ja etwas behäbige Verweis der FAZ, man solle den Ball flach halten – Autos zu entwickeln dauere bekanntlich 10 Jahre, galt in der Tat für die Vergangenheit und für Unternehmen mit normaler Kapitalkraft.

Wir haben jedoch in den vergangenen Jahren erlebt, dass man mit der Regeln der Vergangenheit für die Zukunft teils recht wenig anfangen kann …

Wenn man einmal sich damit abgefunden hat, könnte man dem Ganzen auch eine humorvolle Seite abgewinnen …  

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