größer, schneller, Bogotá

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Mobilität

Bogotá wächst. In den letzten 50 Jahren hat sich die Einwohnerzahl der Hauptstadt Kolumbiens fast verzehnfacht. Heute leben im Stadtgebiet Bogotás 6,9 Millionen und 7,9 Millionen in der Agglomeration. Diese große, ständig wachsende Bevölkerung und die mangelhafte Vernetzung öffentlicher Verkehrsmittel konfrontierte die Stadt nicht nur mit vielen Problemen- wie langen Staus, hohe Schadstoffbelastungen und Unfällen – sondern stellte sie Ende der 90er Jahre damit auch vor eine große Herausforderung. Enrique Peñalosa, der damalige Bürgermeister ließ in Konsequenz die Einwohner Bogotás 1998 erstmalig über ein ganzheitliches Verkehrskonzept abstimmen.

Ende 2000 wurde dann schließlich das flexibel erweiterbare Bus Rapid Transit-System „TransMilenio“ eingeführt, welches sich den Anforderungen der Stadt kosteneffizient und schnell anpassen kann. Als Vergleich: 400 km Streckennetz TransMilenio würden demnach genausoviele Kosten generieren, wie 25 km U-Bahnnetz. Die inzwischen 1300 Buse nutzen nicht nur Vorrangschaltungen an Ampelkreuzungen, sondern bewegen sich auch, auf vom Individualverkehr abgetrennten Spuren – in Kombination mit einem Ticketverkauf außerhalb der Busse, sind die Busse mit einer beachtlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h unterwegs. Damit hat das System einen echten Mehrwert für die Bevölkerung geschaffen – inzwischen nutzen im Durchschnitt pro Betriebsstunde fast 200.000 Fahrgäste das System.

Und dennoch ist nicht alles Gold was glänzt – und so wird immer wieder durchaus berechtigte Kritik laut. Der TransMilenio ist kein ÖPNV-System, wie wir es kennen – er ist in privater Hand und auf Gewinn ausgerichtet. In der Konsequenz stehen Nachts ab 23.00 die Busse still und viele Einwohner können sich die Fahrkarten nicht leisten. Und auch in der Umweltbilanz schneiden die 1300 Dieselbusse alles andere als gut ab. Sven Körner und Enrico Brandes (Institut für Bahntechnik GmbH, Dresden) stellen also zu Recht die Frage, ob eines der größten Bus Rapid Transit-Systeme der Welt elektrifizierbar ist.  Denn die Möglichkeit, einen Großteil der elektrischen Energie aus erneuerbaren Energien zu gewinnen und Trolleybusse für das öffentliche Verkehrssystem TransMilenio zu nutzen, besitzt einen umweltfreundlichen Vorbildcharakter und ist zukunftsweisend. 1

Die Dokumentation Urbanized von Gary Hustwit – zeigt hier im Ausschnitt – in eindrucksvoller Weise wie das System funktioniert und was noch alles zu dem Verkehrskonzept Bogotás gehört: die neu gebauten Fahrradstraßen sind viel mehr, als ein infrastrukturell notwendiges Projekt – sie stellen den Menschen, als Individuum ins Zentrum – kurz: sie fördern die soziale Gleichberechtigung.

 

[1] TransMilenio goes green (Körner, Brandes) in: Internationales Vekehrswesen (66) 3 | 2014

[2] Video: Ausschnitt aus der Dokumentation: Urbanized von Gary Hustwit

 

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