1000% schneller gebohrt: Hyperloop, Elon Musks volles Rohr.

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Hyperloop-Renderings, als Vision sieht es schon ganz gut aus. 

Über Musk, 45, berichteten wir im dml-blog seit 2013 mehrfach: über sein autonomes Tesla-Desaster oder den Triumph der sicher gelandeten Shuttle-Rakete Space X, die nur noch 1% der Summe eines konventionellen Raumtransportes kostet. Dass er nun nach der Auto- und der Raketen- auch die Tunnelbauer-Branche aufschreckt, ist eher erfreulich, bedenkt man, wie viel wir künftig unter die Erde legen könnten, statt den knappen urbanen und periurbanen Raum sinnlos zuzustellen.

Deutsche Studenten entwickeln von München aus mit

Musk will mit seiner Firma Hyperloop Transportation Technologies – als Alternative zum California High Speed Rail – Röhren bauen, in denen Züge bis zu 1125 km/h schnell fahren können. Dabei verläuft die Doppelröhre unter-, eben- und überirdisch. Eine Megarohrpost.

Das Projekt ist international angelegt, deutsche Firmen gehören zu den Lieferanten und – besonders bemerkenswert – deutsche Studentinnen und Studenten gehören zu den Entwicklern. Ein Team um die Informatikstudentin Mariana Avezum, 26, und den Raumfahrttechnikstudenten Johannes Gutsmiedl, 23, hat einen Hyperloop-Wettbewerb gewonnen. Nun bauen sie, zusammen mit 35 weiteren Mitstreitern aus dem Umfeld der TU München, eine der ersten voll funktionsfähigen Kapseln. Aber ist das Hyperloop-Projekt überhaupt  realistisch? Fachleute zweifeln sehr daran. Allen voran John Hansman, Direktor des MIT International Center for Air Transportation. Er verlautbarte in der MIT Technology Review, dass die Idee zwar physikalisch machbar sei, aber extrem teuer werden würde. Er sehe eine große Anzahl bislang nicht gelöster technischer Herausforderungen. Wörtlich: „Meine Frage ist nicht, ob es realisierbar ist, sondern ob es in einer Art umsetzbar ist, die von einem energietechnischen Standpunkt und auch von ökonomischer Seite Sinn hat.“

Going under ground

Der Paypal-Gründer Musk ist nicht der Einzige, den es unter die Erde treibt. Wir berichteten vor einem Jahr über das Schweizer Konsortium Cargo Sous Terrain. Dieses hat in der Kooperation von Coop, Migros, Swisscom, Post, Schweizer Bundesbahn und Mobiliar ein beeindruckendes Geschäftsmodell gestartet, welches die Schweiz nachhaltig verändern wird. Davon hat Musk sicher gehört. Es hat ihn jedenfalls sofort in Richtung Alpen getrieben. Der eidgenössische Konzern Oerlikon liefert unterdessen Vakuumtechnik für Hyperloop.

Kündigt sich hier eine neue Ära des unterirdischen Verkehrs an?  

Zweifel am subterranen Verkehr hörte man bereits vor 170 Jahren, denn dem U-Bahnbau gab man im 19. Jh zunächst auch keine Chance. Heute will sich niemand mehr Metropolen ohne Metro vorstellen. Pläne für U-Bahnen, die zunächst nur Bahnhöfe verbinden sollten, gab es ab 1844 in Wien. Gebaut wurde erstmals 1863 mit der Metropolitan Railway in London. Auch hier war es ein Technologiewechsel, der den Durchbruch brachte: Stahl- statt Holzstützkonstruktionen. Heute sind Anlagen wie der 57 km lange Gotthards-Basis-Tunnel möglich, von dem man früher nicht einmal geträumt hat.

Musk kann nun auf die gesamte Geschichte der U-Bahnen, der Rohrpost, ja der Waffentechnik zurückgreifen, bedenkt man, dass die Container mit der Bewegung von Geschossen im Innern von Waffen vergleichbar sind, denn seine Züge sollen schließlich 1125 km/h fahren. Der Hyperloop ist  ein Konzept auf Basis des Transrapids für ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem. Dieses wird mittels entlang der Strecke generierter Solarenergie energetisch versorgt. Elektrisch getriebene Transportkapseln bewegen sich darin auf Luftkissen durch eine stark evakuierte Röhre .

Verkehr in 3 D statt in 2 D, 1000% schneller gebaut

Musk hat nun laut WIRED einen test trench in Los Angeles angelegt, auf seinem Space X-Produktionsgelände. Dies ist für Tunnelbaudimensionen winzig, aber eben ein echtes Modell: 10 Meter breit, 17 lang, 5 tief. Musk kündigte vor ein paar Tagen an, dass man die Tunnelbaugeschwindigkeit mit der neuen Technologie, die er plane, um 500 bis 1000% erhöhen will.

Seine Buzzword ist „Verkehr in 3 D statt in 2 D„, also in die Tiefe und Höhe bauen, statt nur auf Ebene und Fläche.

Die ganze Angelegenheit ist natürlich erstmal eine Phantasie, aber so startet Musk im Allgemeinen. Im großen Maßstab Tunnel zu bauen, heißt, mit der ungeheuer komplexen städtischen Infrastruktur, Tausenden von Stakeholdern, Regeln, Gesetzen, Widrigkeiten kämpfen zu müssen. Aber das stört einen wie Musk nicht, er scheint tatsächlich weiter und größer zu denken. Daher wird der Plan auch vom Giganten des Tunnelbaus, der deutschen Firma Herrnknecht, die stets größte Projekte ausführt und die größten Maschinen baut, sehr ernst genommen.

Musks Angriff auf Giganten der Tunnel-Branche

Es handelt sich hier um einen Markt, der extrem stark von Hardware bestimmt ist. Bedenkt man, dass die Herrenknecht-Crossrail Tunnelbohrmaschinen (TBM) in London jeweils 10 Millionen Euro kosten, und ein Team von 20 Spezialisten benötigen, die die Maschinen 24 Stunden am Tag betreuen.

Der Spiegel schrieb in seiner Online-Ausgabe am 26.1.2017: “ Der Weltmarktführer für die Herstellung von Tunnelvortriebsmaschinen, die deutsche Firma Herrenknecht aus Schwanau in Baden-Württemberg, scheint Musks Ankündigungen durchaus ernst zu nehmen. Martin-Devid Herrenknecht, Sohn des Firmengründers, sagte jedenfalls Anfang Januar in einem Interview mit dem „Handelsblatt“, man habe Musks Äußerungen „sehr wohl vernommen“. Es gebe Gerüchte, Musk interessiere sich für neue Technologien im Tunnelbau. Herrenknecht beobachte jedenfalls „sehr genau, was er vorhat“. Herrenknecht ist in der  Tat ein Gigant, der sehr gut aufgestellt ist, aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

 

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